Bei dieser Datenbank handelt es sich um eine strukturierte und kommentierte Bibliographie von Publikationen speziell zur Sprache der deutschsprachigen Minderheitenpresse in Mittel- und Osteuropa.

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Cotârlea, Delia (2021): Gruppenidentität und Selbstdarstellung in der Kronstädter Wochenschrift Karpatenrundschau (1968-1970). In: Philipp, Hannes/Stangl, Theresa/Weber, Bernadette/Wellner, Johann (Hrsg.): Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. (Forschungen zur deutschen Sprache in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, FzDiMOS Band 11). Regensburg: Universitätsbibliothek. S. 514-526.

Dieser Aufsatz befasst sich mit Selbstdarstellungspraktiken in der Kronstädter Wochenschrift „Karpatenrundschau“ als ein identitätsstiftendes und handlungsleitendes Periodikum der deutschsprachigen Minderheit im Kommunismus in Rumänien in den Jahren 1968 bis 1970.
Eingeleitet wird der Beitrag unter der Überschrift „Identität – Mythos – Geschichte“ von einer historischen Einordnung der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien in Verbindung mit einer detaillierten Begriffsbestimmung der relevanten Termini wie „kollektive Identität“ und „Selbstdarstellung“; „kollektive Identität“ wird hier als „Gruppengemeinschaft und deren Selbstdarstellung“ aufgefasst und „[b]ei der Untersuchung der Selbstdarstellung werden Geschichte, Brauchtum und Sprache in Betracht gezogen“. Dabei kann bereits die Begriffsbestimmung von „deutsch“ bzw. „rumäniendeutsch“ problematisch sein, „da man historisch von Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Dobrudscha-Deutschen, Zipsern usw. spricht, also von Gruppen, die sich nach ethnischen Kriterien gebildet haben.“ Im Anschluss an diese (sozio-)historische Betrachtung folgt die Vorstellung der untersuchten Zeitschrift unter der Überschrift „Karpatenrundschau – eine (über)regionale Wochenschrift der Werktätigen“ von ihrer Gründung 1968 „als Nachfolgerin der Volkszeitung (1957)“ über ihre Themen wie Politik und Gesellschaft „sowie Aspekte des Minderheitenlebens“, darunter „Kultur, Literatur, Theater und Film, sowie Kunst, Sport und Wissenschaft, aber auch auf Alltagsthemen, wie Haushaltstipps, Mode, Männer- und Frauengewohnheiten“ bis hin zur Zeit der Wende und ihrem Erscheinen ab 1993 als achtseitige Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“.
Der folgende Abschnitt widmet sich ausführlich und detailreich der Untersuchung der „Bewahrung und Stärkung eigener Identität durch Geschichtsschreibung“, so die Überschrift. So wird etwa für den Zeitraum 1968-1970 konstatiert, dass einerseits „über die eigene Geschichte, um die eigene Identität zu bewahren und zu stärken“ berichtet wird, aber andererseits „[…] das politische System den Diskurs durch seine eigene Rhetorik [vereinnahmt]“. Dies geschieht im Blatt etwa durch intensive Verwendung des Terminus „mitwohnende Nationalität“ und durch „ein inszeniertes Miteinanderleben im Kommunismus“, während der Bergriff „rumäniendeutsch“ nicht vorkommt; es komme also zu „Verzerrungen, Verfälschungen und Manipulationen“. Die Betrachtung von Manifestationen einer Identität durch Geschichtsschreibung erfolgt dabei zunächst auf der Grundlage einer Studie des Historikers Lucian Boia sowie anhand einiger konkreter Belege aus dem Material der Zeitung, darunter vor allem ein Artikel, der auf der Basis der Forschungen des siebenbürgisch-sächsischen Humanisten Johannes Honterus eine „Kontinuität des rumänischen Volkes“ unter Einbeziehung der Siebenbürger Sachsen behauptet.
Im Anschluss daran wird in einem kürzeren Abschnitt die „Bewahrung und Stärkung der Identität durch Brauch- und Sprachpflege“ untersucht. Dabei wird festgestellt, dass „[ü]ber den Erhalt der Sprache […] in der KR häufig geschrieben [wird]“ und dass auch „Dialektpflege, Deutsch als Unterrichtssprache bzw. als Studiumangebot [sic]“ zum Angebot gehört, genauso wie die Förderung rumäniendeutscher Literatur.  
Die abschließenden Schlussfolgerungen fassen die Ergebnisse knapp zusammen, indem festgestellt wird, dass sich die Selbstdarstellung der deutschen Minderheit in Rumänien auf zwei Ebenen manifestiert: (1) auf einer historischen Ebene, auf der sowohl „Verfälschungen, Exklusionen“ als auch die Anpassung an einen „politischen Hauptdiskurs der Mehrheit, vom nationalistischen Diskurs vereinnahmt“ sowie „Mythen der Einheit des rumänischen Volkes und des dakischen Plans“ präsent sind; und (2) auf „der Ebene der Volkskunde, des Brauchtums, der Sprachpflege“ , auf der „eine nuanciertere Selbstdarstellung in einem natürlicheren Verhältnis des Neben- und Miteinanders“ stattfindet.