Bei dieser Datenbank handelt es sich um eine strukturierte und kommentierte Bibliographie von Publikationen speziell zur Sprache der deutschsprachigen Minderheitenpresse in Mittel- und Osteuropa.

Angezeigt werden alle Datensätze, die mit dem gewählten Schlagwort - Interkulturalität - verbunden sind.

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Földes, Csaba (2001): Wo die ‚Boys‘ noch ‚Jungen‘, die ‚Girls‘ noch ‚Mädchen‘ und die ‚Kids‘ noch ‚Kinder‘ heißen. Anmerkungen zur Sprache der Rubrik ‚Jugend‘ in einem Minderheitenblatt. In: Breuer, Ulrich/Korhonen, Jarmo (Hrsg.): Mediensprache - Medienkritik. Frankfurt a.M./Berlin/Bern/ Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang (Finnische Beiträge zur Germanistik; 4). S. 103-120.

Im Beitrag wird der Sprachgebrauch auf den Jugendseiten des zentralen ungarndeutschen Printmediums, der Neuen Zeitung, anhand des Jahrgangs 1998 in seinen Hauptlinien linguistisch beschrieben. Die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung erfolgte induktiv und korpusorientiert und erstreckte sich auf alle Sprachbeschreibungsebenen. Es konnte dabei u.a. eine große Bandbreite von Sprachkontaktphänomenen (z.B. verschiedene Arten von Transferenzen aus dem Ungarischen), Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit Normen und Konventionen der geschriebenen Varietät der deutschen Standardsprache und verschiedenartige Uneinheitlichkeiten hinsichtlich der Textgestaltung dokumentiert und interpretiert werden.

Földes, Csaba (2015): Literalität im Schnittfeld von zwei Sprachen und Kulturen: Beobachtungen anhand der Phraseologie in der Sprache der Lokalpresse. In: Schmidlin, Regula/Behrens, Heike/Bickel, Hans (Hrsg.): Sprachgebrauch und Sprachbewusstsein. Implikationen für die Sprachtheorie. Berlin/Boston: de Gruyter. S. 239-260.

Den Gegenstand der Ausführungen bildet eine spezifische Mehrsprachigkeitskultur am Beispiel des Deutschen als Minderheitensprache in Ungarn: Es handelt sich um die Sprachgestaltung in der Lokalpresse der deutschen Minderheit. Die explorative Studie liefert am Material der Verwendung von Phraseologismen Erkenntnisse über diesen sprachlich-kulturellen Realitätsbereich hinsichtlich seiner grundlegenden typologischen Strukturen und konstitutiven Merkmale.
Es konnten empirische Evidenzen u.a. zur Frequenz und Distribution von figurativen Sprachzeichen in der ungarndeutschen Lokalpresse, zu den Besonderheiten der „ungarndeutschen Kontaktphraseologie“, zur mehrsprachigkeitsgeprägten und z.T. erodierten Sprach- bzw. Text(sorten)kompetenz der Textproduzenten gewonnen werden. Ferner wurden Überlegungen zur Einordnung und Bewertung der kultursalienten Befunde vorgelegt.

Földes, Csaba (2018): Mediensprache im Kontakt der Kulturen: Beispiel „Moskauer Deutsche Zeitung“. In: Földes, Csaba (Hrsg.): Sprach- und Textkulturen – interkulturelle und vergleichende Konzepte. Tübingen: Narr Francke Attempto (Beiträge zur Interkulturellen Germanistik; 11). S. 43-77.

Gegenstand des Aufsatzes ist eine spezifische deutschbasierte Textkultur im Spannungsfeld zweier Sprachen und Kulturen: Die „Moskauer Deutsche Zeitung“ wird – am Material ihres Jahrgangs 2017 – im Hinblick auf bestimmte kommunikative und sprachliche Besonderheiten empirisch untersucht, um damit zur Erschließung des linguistischen Profils dieses wichtigen auslandsdeutschen Mediums beizutragen. Die phänomenorientierte empirische Analyse hat die MDZ als „kulturasymmetrische Grenzgänger-Zeitung“ ausgewiesen und festgestellt, dass die erschlossenen Salienz-Fälle Ergebnisse dreier typologisch verschiedener Prozesse sind: (1) Kontaktphänomene, also Transfer oder Nachahmung von Elementen, Strukturen und Modellen der Kontaktsprache; (2) Verfremdungsprozesse, z.B. Kontrastverschiebungen oder Kontrastübertreibung, die sich aus einer unsicheren Beherrschung der Zielsprache Deutsch, etwa durch Übergeneralisierung des Sprachsystems, ergeben und (3) Normverletzungen aus Unachtsamkeit, d.h. Flüchtigkeitsfehler, die selbst bei Textproduzenten mit exzellenter Sprachbeherrschung vorkommen. Ein wesentlicher Teil der eruierten Auffälligkeiten ist direkt oder indirekt auf Aspekte der bilingualitätsbedingten deutsch-russischen Sprach- und Kulturkontakte zurückführbar. Die sprachlich-kulturelle Grundkonstellation ist jedoch noch komplexer: Aufgrund der Befundlage liegt das genuine Alleinstellungsmerkmal der MDZ in einem spezifischen Beziehungsgefüge von deutscher Sprache vs. russischer Kultur. In summa konnte die Analyse dem medialen Objekt MDZ eine weitgehend inter- bzw. eher transkulturelle Textwelt bescheinigen.

Földes, Csaba (2018): Politische Sprache und Interkulturalität – am Beispiel der Presse deutscher Minderheiten. In: Fábián, Annamária/Trost, Igor (Hrsg.): Sprachgebrauch in der Politik. Grammatische, lexikalische, pragmatische, kulturelle und dialektologische Perspektiven. Berlin/Boston: De Gruyter (Reihe Germanistische Linguistik; 319). S. 299-317.

Dieser Aufsatz exponiert einen bisher weniger beachteten Phänomenbereich, nämlich die Produktion von Pressetexten im Kommunikationsbereich politische Sprache im Schnittfeld von zwei Sprachen und Kulturen. Im Mittelpunkt der empirischen Betrachtung steht die spezifische Kultur von Mehrsprachigkeit bei der deutschen Minderheit in Ungarn. In diesem Denk- bzw. Argumentationsrahmen zielt der Beitrag auf eine evidenzbasierte Herausarbeitung von Charaktermerkmalen der politischen Sprache und Kommunikation im Wirkungsraum der deutschsprachigen Minderheitenpresse. Ferner geht es um journalistische Handlungsmöglichkeiten und -formen unter besonderen Bedingungen von Mehrsprachigkeit und Inter- bzw. Transkulturalität.
Dabei ist deutlich geworden, dass die analysierten Presseprodukte durch die spezifische Sprach- und Text(sorten)kompetenz der mehrsprachigen Textproduzenten geprägt sind: In ihrem Varietätenrepertoire macht sich ein Zusammenspiel von standard- und substandarddeutschen Charakteristika, aber auch von ungarischen Textroutinen und Musterhaftigkeiten bemerkbar. Die Analyse hat u.a. zahlreiche und vielgestaltige Manifestationen von deutsch-ungarischen Sprachkontakten, Uneinheitlichkeiten in stilistisch-pragmatischer Hinsicht und/oder in der Satz- und Textkonstruktion sowie eine spezifische Themenfrequenz und ein besonderes Beziehungsgefüge von Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit aufgedeckt.

Földes, Csaba (2018): Xenismen in der auslandsdeutschen Pressesprache. Reflexionen anhand der Moskauer Deutschen Zeitung. In: Meier, Jörg (Hrsg.): Jahrbuch des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Band 26: Sprache. München: De Gruyter Oldenbourg. S. 121-144.

Dieser Aufsatz nimmt beispielhaft ein traditionsreiches und gewichtiges auslandsdeutsches Blatt, den Jahrgang 2017 der „Moskauer Deutsche Zeitung“ (MDZ), in den Blick und versucht, mit einer datensensitiven Aufdeckung von signifikanten Merkmalen die sprachlich-kommunikative Profilgrundlage dieses Mediums herauszuarbeiten. Aus Umfangsgründen fokussiert er dabei exemplarisch auf einen Aspekt, nämlich auf die sogenannten – sprachbezogenen und kulturbezogenen – Xenismen, da sie wohl einen zentralen Wesenszug dieses Pressediskurses darstellen. Die durchgeführte empirische Studie leistet zur Erschließung der kulturellen Komponente vorrangig im Vokabular und weiterführend auch zur Erfassung von Phänomenen der Kulturalitat in der analysierten Zeitungskommunikation einen Beitrag.
Die analytische Sichtung der MDZ, indem von Merkmalen manifester Texte auf Merkmale eines nicht-manifesten Kontextes geschlossen wurde (es gingt ja ein Stuck weit um Inferenzschlusse auf die soziale Wirklichkeit), ergab, dass es sich im Rahmen einer Zweischriftlichkeit im Wesentlichen um eine Art interkultureller Texte handelt. In einem Spagat besonderer Art ist die Sprache eindeutig deutsch, während das kulturelle Milieu mit den entsprechenden Kulturmustern russisch geprägt ist – die MDZ ist also gewissermaßen ein Grenzgänger-Blatt. Diese Ausprägung der Pressekommunikation konnte als eine Manifestation des (interkulturellen) Interdiskurses aufgefasst werden; entsteht doch das Blatt in einem spezifischen – mehrsprachigen und interkulturellen – Referenzrahmen und wird zu einem großen Teil von bilingualen Textproduzenten erstellt.

Földes, Csaba (2019): Die ‚Deutsche Allgemeine Zeitung‘: Anmerkungen zur Sprache der kasachstandeutschen Presse. In: Linguistica (Ljubljana) 59. 1. S. 71-97.

Die Studie arbeitet zentrale sprachliche Profilmerkmale der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) in Kasachstan heraus und liefert dabei auch einen Beitrag zur Erschließung von Manifestationen der Kulturalität im analysierten interkulturellen Mediendiskurs. Der verwendete Ansatz ist – im Denkrahmen der interkulturellen Linguistik – deskriptiv und vorrangig variations- bzw. kontaktorientiert. Die Besonderheit der Zeitung besteht vor allem darin, dass ihre Sprache praktisch monolingual deutsch ist, während ihr kulturelles Umfeld eine kasachisch-russische Prägung aufweist. Die daraus resultierende konkrete Sprachverwendung in der DAZ wurde unter Nutzung des Salienz-Konzeptes betrachtet. Im ausgewerteten Korpus des Jahrgangs 2017 wurden sprachbezogene Salienzen auf nahezu allen Ebenen herausgearbeitet, allen voran in Lexik und Phraseologie, Grammatik, Stil, Grafie sowie Typografie. Die eruierten Verwendungsbesonderheiten resultieren aus drei Prozessen typologisch unterschiedlicher Art: (1) aus prototypischen Sprachkontaktmechanismen, also aus Transfers oder Nachahmungen von Elementen, Strukturen und Modellen der Kontaktsprachen Russisch und Kasachisch; (2) aus Verfremdungsprozessen, z.B. Kontrastverschiebungen oder -übertreibungen, die sich aus einer unsicheren Beherrschung der Zielsprache Deutsch, etwa durch Übergeneralisierung des Sprachsystems, ergeben; (3) aus Normverletzungen aufgrund von Unachtsamkeit, d.h. Flüchtigkeitsfehler bzw. problematische oder grenzwertige Formulierungen, die selbst bei Textproduzenten mit exzellenter (nativer) Sprachbeherrschung vorkommen. Der Beitrag weist nach, dass quantitativ die mehrsprachigkeits-, kontakt- und/oder kompetenzbedingten Auffälligkeiten überwiegen, wobei sich der sprachliche Kontakteinfluss des Russischen als größer erwies als der des Kasachischen. Auf dieser Basis erfasst und beschreibt der Beitrag die DAZ als eine mehrfach kulturasymmetrische Grenzgänger-Zeitung mit einer spezifischen Form von Mehrschriftlichkeit.

Földes, Csaba (2020): Figuratives in der auslandsdeutschen Pressesprache. In: Kalbotyra (Vilnius) Nr. 73. S. 31-60.

Diesem Aufsatz liegt die Einsicht zugrunde, dass figurative Sprachzeichen in der Mediensprache zwar allgemein ein frequentes Forschungsthema sind, aber speziell im Hinblick auf die deutsche Pressesprache im Ausland ein Desiderat darstellen. Vor diesem Hintergrund werden mit Überblickscharakter einige speziell figurativitäts- und formelhaftigkeitsbezogene Beobachtungen sowie Ergebnisse eines rezenten Forschungsprojekts thematisiert und diskutiert. Primäres Ziel war eine fokussierte evidenzbasierte Erschließung – genauer: eine theoriebasierte qualitative Exploration – von Besonderheiten des figurativen Sprachgebrauchs in drei deutschsprachigen Minderheitenzeitungen aus Russland, Kasachstan und Ungarn. Zudem werden Manifestationen von Kulturalität im analysierten durch Mehrsprachigkeit und Inter- bzw. Transkulturalität geprägten Mediendiskurs erschlossen. Dabei ist der Ansatz nicht normativ-fehleranalytisch, sondern deskriptiv und vorrangig kontakt- bzw. interkulturalitätsorientiert.
Es konnte u.a. festgestellt werden, dass die empirische Datengrundlage relativ wenig Figuratives hergab. Zu den Befunden gehört, dass aufgrund der Mehrsprachigkeitssettings andere textuelle Mechanismen vorherrschen und die Textproduzenten vorgeprägte syntaktische Schemata aus den Kontaktsprachen übernehmen. Produzentenseitig wird zwar in der Regel eine deutschbasierte figurative Sprache verwendet, die aber mit der Figurativität der jeweiligen Kontaktsprache (im vorliegenden Fall: Russisch, Kasachisch und Ungarisch) kongruiert, einschließlich russisch/kasachisch/ungarisch orientierter Framings. Das dominante Merkmal konstituieren in diesem Rahmen (vorrangig latente, aber auch virulente) sprachkontaktbedingte Erscheinungen mit einiger Dynamik: vorrangig Transferenz-Bildungen verschiedener Art. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass die Sprach- bzw. Text(sorten)kompetenz und besonders die figurative Kompetenz der Textproduzenten im Bereich der konzeptual-schriftlichen Fähigkeiten sehr unterschiedlich, oft nicht mit denen bundesdeutscher Journalisten vergleichbar sind.

Gáborová, Margita (2012): Kulturtransfer und Rezeption in der deutschsprachigen Presse Bratislavas. Modernisierung aus dem Norden – eine Fallstudie am Beispiel Henrik Ibsens. In: Gáborová, Margita (Hrsg.): Na zlome času. Im Wandel der Zeit. Modernistické (antimodernistické) tendencie v multikultúrnej Bratislave v medzivojnovom období. Bratislava: Universzita Komenského. S. 25-47.

Dieser Artikel widmet sich der Untersuchung von Kulturtransferenz in der deutschsprachigen Presselandschaft Bratislavas in den 1920er Jahren am Beispiel eines ausgewählten Textkorpus.
Der Beitrag wird eingeleitet von einem kurzen inhaltlich-thematischen Überblick, gefolgt von einem ersten, längeren Abschnitt unter der Überschrift „Theoretische Ansätze – Modernisierung, Interkulturalität, Kulturtransfer und Rezeption“, in dem zunächst die relevanten Begriffe wie Moderne bzw. Modernisierung erläutert werden. Diese sind „im Sinne einer sozialhistorischen Dimension aufzufassen, die alle, für die Kultur relevanten Gebiete des Lebens miteinbezieht“, gleichzeitig beinhalten sie auch einen Wandel auf dem Gebiet der Literatur „in einem kulturologischen, literaturhistorischen und -theoretischen Sinn.“ Diese Begriffsbestimmung wird hinsichtlich ihres historischen Kontextes zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erweitert; so wurde der Modernisierungsprozess begleitet von „tiefgreifenden sozialen, ideellen und kulturellen Veränderungen […], die enorme Wertverschiebungen auf dem Gebiet der Ethik, Moral, Ästhetik, Kunst und Literatur mit sich brachten.“ Eingebettet in diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozess konnte sich auch ein großer Zeitungsmarkt entwickeln.
Diesen Ausführungen folgt eine Erläuterung des der Untersuchung zugrundeliegenden methodologischen Ansatzes, der auf Hans-Jürgen Lüsebrinks Studienbuch zur interkulturellen Kommunikation basiert. Zitiert wird interkulturelle Kommunikation als „kommunikative Dimension der Beziehung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen auf verbaler, nonverbaler und medialer Ebene“, während Interkulturalität Phänomene umfasst, die „aus dem Kontakt zwischen unterschiedlichen Kulturen entstehen“. Dabei ist Kulturtransfer „ein Prozess, der für die Übertragung der Kulturgüter zwischen den Kulturen sorgt“. Wichtig ist außerdem der Vermittlungsprozess, d.h. die Arbeit von Übersetzern, Buchhändlern, Künstlern, Wissenschaftlern etc., welche durch Mittlerinstanzen wie Medien, Verlage, Schulen usw. repräsentiert werden. Zu den aus dem Vermittlungsprozess hervorgehenden Aneignungsformen gehören Übertragung, Nachahmung, kulturelle Adaption, Kommentar und produktive Rezeption, wobei der Grad der Nähe oder Entfernung zum Original zwischen den einzelnen Formen stark variiert.
Der folgende dritte Abschnitt unter der Überschrift „Deutschsprachige Presse in Bratislava und ihre Vermittlungspersönlichkeiten“ beginnt mit einem historischen Überblick über das deutschsprachige Pressewesen Bratislavas. So erschienen im Untersuchungszeitraum – die Jahre 1918 bis 1929 – ganze 43 deutschsprachige und 18 gemischtsprachige Periodika. Unter ihnen gehören die „Preßburger Zeitung“, der „Grenzbote“, die „Deutsche Zeitung für die Slowakei“, die „Volksstimme“, die „Theaterwoche“ sowie „Das Riff“ und „Die Heimat“, zu den im Aufsatz untersuchten Blättern, die nach ihrer Aufzählung jeweils kurz vorgestellt werden; es handelt sich bei diesen vor allem um Zeitschriften für Kultur, Literatur, Kunst und Theater usw.
Der vierte und umfangreichste Abschnitt „Henrik Ibsens Rezeption und Modernisierung“ geht umfassend und detailliert auf diesen stark kulturorientierten Teil der Presselandschaft Bratislavas ein. So entstand etwa „Das Riff“ (mit einem Zitat Henrik Ibsens auf seiner Titelseite) unter dem Eindruck des Aufkommens des Modernismus in Skandinavien, wobei die Wahl des Ibsen-Zitats als Motto der Zeitung „[…] für die Bedeutung Ibsens und seinen Einfluss im geistigen Klima Zentraleuropas [spricht].“ Zur Bedeutung Henrik Ibsens wird außerdem festgestellt: „[d]ie Vermittlung seiner Werke zeigt sich im untersuchten Zeitschriftenkorpus am intensivsten und seiner Person wurde unter den skandinavischen Schriftstellern der größte Platz eingeräumt.“ Die Rezeption hat dabei drei Arten in der Presse Bratislavas, und zwar (1) Besprechung oder Rezension seiner Dramen oder deren Aufführungen, (2) Artikel, die ihn als Person und Schriftsteller thematisieren und (3) die Nachahmung seiner Werke. Wie im Abschnitt zu den methodologischen Grundlagen beschrieben, widmet sich die umfangreiche Untersuchung vor allem den kultur- und literaturhistorischen Aspekten anhand zahlreicher Belege aus dem Korpus, wobei eher nicht auf Phänomene des Sprachkontakts eingegangen wird. Im Artikel ist außerdem auffällig, dass teilweise Titel wie „Nora oder Ein Puppenheim“ (Seite 38) falsch wiedergegeben werden, indem das Wort „oder“ nicht kursiviert und so nicht als zum Titel gehörig markiert wird, während an anderer Stelle mehrfach nicht zu Titeln gehörende Wörter gemeinsam mit Titeln kursiviert werden, z.B. „unter dem neuen Namen Bratislava. Sie […]“ oder „Das Riff und Die Heimat“ (beide S. 31). Meist handelt es sich wohl um ein Versehen, beim ersten Beispiel jedoch nicht, wie die falsche Aussage zeigt: „Die zur Pflichtlektüre gewordene Nora oder Ein Puppenheim, wie das Stück eigentlich heißt [sic]“ – es handelt sich nicht um ein Stück, dass „Nora“ genannt wird, aber eigentlich „Ein Puppenheim“ heißt, sondern beide Teile und das verbindende „oder“ stellen den vollständigen Titel dar.
Am Ende des Artikels wird knapp und ohne eigene Überschrift noch einmal die wichtige Rolle von Ibsens Werk für die Beförderung moderner Themen betont, wofür die intensive Rezeption in der deutschsprachigen Presse Bratislavas einen Beweis liefert. Zum Thema des „Kulturtransfers aus dem Norden“ bieten sich laut diesem Fazit viele weitere Künstler und deren Rezeption in der deutschsprachigen Presse Bratislava für eine eingehendere Untersuchung an. Da der Aufsatz eher auf kulturhistorischer bzw. literaturwissenschaftlicher Aspekte des Gegenstandes fokussiert, findet keine sprachwissenschaftliche Analyse am Material der untersuchten Zeitungen statt.

Nefedova, Lyubov (2020): An der Kreuzung der Kulturen. Zum Fremdwortgebrauch in der Moskauer Deutschen Zeitung.In: Cornejo, Renata/Schiewer, Gesine Lenore/Weinberg, Manfred (Hrsg.): Konzepte der Interkulturalität in der Germanistik weltweit. (Interkulturelle Germanistik, Band 1.) Bielefeld: transcript Verlag. S. 395-405.

Dieser Aufsatz widmet sich der Erforschung des Sprachgebrauchs in einem interkulturellen Kontext mit Fokus auf den Fremdwortgebrauch in der „Moskauer Deutschen Zeitung“.
Der Text ist strukturiert in eine kurze „Einleitung“, gefolgt von einer Erläuterung der „Interkulturelle[n] Inhalte der MDZ und ihre[r] sprachlichen Repräsentation (MDZ über Expats)“ und einer anschließenden „Linguistische[n] Beschreibungen der Fremdwörter des onomasiologischen Feldes Expat/Expatin“, die wiederum untergliedert sind in „Internationalismen“, „Anglizismen/Angloamerikanismen“ und „Russische Realienbezeichnungen und Ad-hoc-Entlehnungen aus dem Russischen“. Den Abschluss bildet ein knappes „Fazit“.
In der Einleitung wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der „Moskauer Deutschen Zeitung“ und ihre Struktur in Form von Seitenzahl, Anteil der deutschsprachigen bzw. russischsprachigen Seiten sowie ihre Ressorts gegeben. Dabei bildet die Onlineausgabe des deutschsprachigen Teils der Zeitung die Grundlage der Untersuchung. Des Weiteren werden der Fremdwortgebrauch – und in diesem Zusammenhang Onomasiologie bzw. onomasiologische Felder – als Schwerpunkte der Analyse benannt. Als Material dienen Artikel in der MDZ, die „von deutschen Expats [über Expats]“ geschrieben wurden. Im zweiten Abschnitt wird ausführlicher auf „[i]nterkulturelle Inhalte der MDZ und ihre fremdsprachlichen Repräsentationen“ eingegangen, indem zahlreiche Beispiele für Lexeme und Kollokationen sowie deren Kontexte beschrieben werden. Als Zwischenbilanz wird erläutert, wie „das onomasiologische Feld Expat/Expatin“ strukturiert ist und welche „Aspekte der Beschreibung von Expats“ den jeweiligen Struktureinheiten zuzuordnen sind, wie z.B. „Expats als Fachkräfte“, „Moskau als Arbeitsplatz“ und „Probleme von Expats in Russland“ etc. Den Hauptteil des Beitrags stellt eine „Linguistische Beschreibung der Fremdwörter des onomasiologischen Feldes Expat/Expatin“ dar. Dies geschieht mit der Unterscheidung von (1) Internationalismen, zu denen hier vor allem Wörter aus den Bereichen Kultur und Beruf gehören, (2) Anglizismen/Angloamerikanismen, die sowohl die Freizeitgestaltung als auch das Berufsleben betreffe, darunter auch Misch- und Hybrid-Bildungen aus Anglizismen/Amerikanismen und „nativen Wörtern“ (z.B. „Lifestyle-Geschichte“) und (3) russischen Realienbezeichnungen und Ad-hoch-Entlehnungen aus dem Russischen (z.B. „Elektritschka“, „Pelmeni“ etc.). Die gleichzeitig mit der Nennung der Beispiele stattfindende sprachwissenschaftliche Untersuchung fällt dabei jedoch eher knapp aus und verbleibt bei einfachen lexikologischen Befunden.
Der vierte und letzte Abschnitt des Beitrags fasst zuvor getroffene Feststellungen über Themen und Inhalte in der MDZ als kurzes Fazit zusammen.