Bei dieser Datenbank handelt es sich um eine strukturierte und kommentierte Bibliographie von Publikationen speziell zur Sprache der deutschsprachigen Minderheitenpresse in Mittel- und Osteuropa.

Angezeigt werden alle Datensätze, die mit dem gewählten Schlagwort - Minderheiten - verbunden sind.

Alle anzeigen

Adrigán, Zsuzsanna (2021): Presselandschaft der multiethnischen Stadt Paumasch in Ungarn. In: Philipp, Hannes/Stangl, Theresa/Weber, Bernadette/Wellner, Johann (Hrsg.): Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. (Forschungen zur deutschen Sprache in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, FzDiMOS Band 11). Regensburg: Universitätsbibliothek. S. 464-480.

Dieser Beitrag zielt laut vorangestellter Einführung auf eine Auseinandersetzung „mit der interkulturellen Kommunikation, der sprachlichen Anpassung bzw. Abgrenzung der in Paumasch lebenden Ethnien in den lokalen Presseorganen der Stadt in synchroner Dimension“ ab. 
Einer kurzen Vorstellung der Stadt und ihrer Bevölkerungszusammensetzung folgt ein Überblick über die „Geschichte der in Paumasch/Pomáz lebenden Volksgruppen“. Beginnend im Jahr 1690 wird die Besiedelungsgeschichte in und um die Stadt Paumasch durch Serben und später durch Slowaken und Deutsche nachgezeichnet und die Verbreitung verschiedener Glaubensbekenntnisse (Serbisch-Orthodox, Katholisch, Reformiert oder Jüdisch) erläutert. Die Ausführungen werden unterstützt durch mehrere Tabellen, die zum Beispiel die ethnische Zusammensetzung in den Jahren 1860, 1943 und 2008, die jeweilige Nationalität oder Muttersprache laut Volkszählungsangaben in den Jahren 1990, 2001 und 2011 wiedergeben. Der anschließende dritte Abschnitt „Presseanalyse“ liefert eine umfangreiche Vorstellung des Forschungsgegenstandes Presselandschaft der Stadt Paumasch sowie der Ziele und Methoden ihrer Untersuchung. Unter dem Punkt „3.1 Zielsetzung und Methoden“ werden vier Forschungsfragen formuliert, nämlich (1) „[a]uf wessen Initiative und mit welchem Ziel […] die mehrsprachigen Zeitschriften herausgegeben [wurden] bzw. wie […] sich die interkulturelle Kommunikation der fünf Ethnien in Paumasch in den untersuchten Periodika wider[spiegelt]“, (2) wie das Zusammenleben der Nationalitäten funktioniert, (3) ob „[…] man seine ethnische Identität aufgeben [soll], wenn man in einem multiethnischen Ort lebt“ und (4) welche „Schwierigkeiten es bei der Kommunikation bzw. Kooperation mit Vertretern verschiedener Nationalitäten“ gibt. Diesen Forschungsfragen soll mit „halbstandardisierten Experteninterviews“ nachgegangen werden. Unter dem folgenden Punkt „3.2 Dokumentenanalyse“ findet man keine Analyse von Presseorganen, wie sie die Überschrift eher erwarten lässt, sondern vielmehr eine Zusammenfassung verschiedener Förderprogramme und ähnlicher Initiativen zur Sprach- und Traditionspflege der deutschen und slowakischen Minderheiten, die deren Newslettern, Informationsdiensten o.ä. entnommen sind. Punkt 3.3 bietet eine tabellarische Übersicht mit Informationen zu Herausgebern, Redakteuren, Sprachen usw. dreier „Periodika in Paumasch 1999-2005“, die in den folgenden Unterabschnitten jeweils einzeln vorgestellt werden. So war die erste beschriebene Zeitschrift namens „DERA“, deren Themen und Inhalte kurz zusammengefasst wird, als Periodikum geplant, ist jedoch nur einmal, im Jahr 1999, erschienen. Das Blatt beinhaltet Nachrichten und Informationen auf deutsch, serbisch und Romani, zusätzlich sind „[a]ls Zeichen der interkulturellen Kommunikation […] alle Artikel in der Zeitschrift auch in ungarischer Sprache erschienen“. Im Anschluss werden die Themen der einzelnen Ausgaben des ungarischsprachigen Periodikums „Pomázi Polgár“ tabellarisch und nach Kategorien, wie z.B. Religion oder Traditionspflege, gruppiert aufgelistet. Das dritte Blatt im untersuchten Zeitschriftenkorpus ist „Pomázi Hírlevél“, welches erst als Beiblatt von „Pomázi Polgár“ und von 1999 bis 2000 als eigenständige Zeitung erschienen ist. Es wird in derselben Form wie das vorige Blatt vorgestellt. Die Betrachtung verbleibt eher an der Oberfläche des Materials und geht kaum über die Nennung von Eckdaten und die tabellarische Auflistung der Themen hinaus.
Der vierte Abschnitt, überschrieben mit „Experteninterviews, Dokumentenanalyse“ beschreibt die deutsche, serbische und slowakische „Nationalität“ jeweils in einzelnen Unterabschnitten sowie „[d]as Nationalitätenleben in Paumasch aus Sicht der ungarischen Bevölkerung“. Die Ausführungen beziehen sich vor allem auf gesellschaftliche und kulturelle Aspekte und basieren auf Interviews mit Angehörigen bzw. Vertretern der jeweiligen Minderheit; eine Analyse am konkreten Material der zuvor vorgestellten Periodika anhand sprachlicher Belege aus dem Inhalt findet allerdings nicht statt.
Abschließend werden ein „Resümee und Ausblick“ formuliert, nämlich dahingehend, dass „[s]owohl die Analyse der in Paumasch erschienenen Periodika als auch die Experteninterviews bestätigen, dass sich alle diese Nationalitäten einerseits um ihre Identitätsbewahrung bemühen, [sie] andererseits […] auch am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Mehrheitsgesellschaft teil[nehmen]“. Diese Aussage ist zumindest in Bezug auf die Periodika unzutreffend, da die angekündigte Analyse nicht oder nur in Form der Nennung von Artikelüberschriften bzw. Themen stattfand. Unklar ist außerdem, worin die Relevanz der geführten Interviews für die Untersuchung der Presselandschaft besteht: Sowohl der Titel des Aufsatzes als auch das in der Einführung genannte Ziel – „sich mit der interkulturellen Kommunikation, der sprachlichen Anpassung bzw. Abgrenzung der in Paumasch lebenden Ethnien in den lokalen Presseorganen der Stadt […] auseinanderzusetzen“ – lassen eine Untersuchung der Presse erwarten, während die Forschungsfragen (und ihre Beantwortung), die Methoden und letztendlich auch der umfangreiche Hauptteil sich fast ausschließlich auf Interviews beschränken. Anders als in wissenschaftlichen Publikationen üblich scheint auch der gegen Ende des Beitrags gegebene „Ausblick“ nicht weitere Forschungen anregen zu wollen, sondern auf etwas, das außerhalb der Forschungssphäre liegt, nämlich die beabsichtigte Förderung und Bewahrung der Nationalitäten durch ihre lokalen Vertretungen, zu verweisen.

Campiân, Veronica (2020): Deutschsprachige Presse in Rumänien – eine Säule der kulturellen Identität der Minderheit? Fallstudie: Die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien. In: Haberland, Detlef/Orosz, Magdolna (Hrsg.): Region(en) von Mitteleuropa. Historische, kulturelle, sprachliche und literarische Vermittlungen. Wien: Praesens Verlag. S. 187-200.

Der Beitrag widmet sich der sprachwissenschaftlichen Erforschung der deutschen Minderheitenpresse in Rumänien am Beispiel der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ (ADZ). Der Fokus liegt dabei besonders auf inhaltlichen Aspekten mit Minderheitenbezug.
Der Text beginnt mit einer kurzen Einleitung, in der das Forschungsanliegen beschrieben wird, mittels einer quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse, die „Themenvielfalt, die Aufteilung der journalistischen Darstellungsformen nach Resorts sowie die diskursive Verhandlung des Begriffs ‚Minderheit‘“ zu untersuchen. Als zentrale Forschungsfrage wird herausgestellt, „was und wie die ADZ über die deutsche Minderheit berichtet und dadurch sowohl kulturelle Identitäten widerspiegelt als auch medial konstruiert“. Als Untersuchungszeitraum wird das erste Quartal 2018 genannt. Darauf folgt ein Abschnitt zur Begriffserklärung, der weiter hinsichtlich der beiden Punkte „Das Modell der ‚Enklavenpublizistik‘“ und „Die Bedeutung von Ethnizität, kultureller Identität und der Minderheitenbegriff“ unterteilt ist. Der erste Punkt arbeitet mehrere „Merkmale des Systems der Enklavenpublizistik“ auf der Grundlage einschlägiger sprachwissenschaftlicher Veröffentlichungen im Bereich der Enklavenpublizistik wie die von Sabine Reiner und Carl Ziegner, heraus. Zu diesen Merkmalen gehören das Publikum, die Produzenten, die Finanzierung, die Rolle beim Erhalt und bei der Selbstbeobachtung der Enklave sowie die Betonung der (Enklaven-)Identität. Unter dem zweiten Unterpunkt wird auf Basis zahlreicher wissenschaftlicher Quellen zusammengefasst, durch welche weiteren Merkmale sich „die Minderheit von der Mehrheit abgrenzt“, wie neben dem Hauptelement der Sprache z.B. Traditionen, Werte oder Bräuche. Im anschließenden dritten Abschnitt werden „Die deutsche Minderheit und ihre Medien“ näher erläutert im Hinblick auf Siedlungsgebiete, (Siedlungs-)Geschichte, gegenwärtige Situation, Sprachunterricht sowie hinsichtlich verschiedener Rundfunk- und Printmedien wie der „Hermannstädter Zeitung“ und der ADZ. Im vierten und umfangreichsten Abschnitt erfolgt die „Auswertung des Zeitungsmaterials“, die wiederrum untergliedert ist in die Unterpunkte „Zur empirischen Untersuchung“, „Die quantitative Inhaltsanalyse“ und in „Die qualitative Analyse: die Tendenzanalyse“. Im ersten Punkt wird die Methodik der anschließenden Analyse beschrieben, wozu die Definition eines (inhaltlichen) Kategoriesystems gehört, auf Grundlage dessen quantitativ die Häufigkeit des Vorkommens bestimmter Themen und Resorts etc. untersucht werden soll. In der folgenden quantitativen Inhaltsanalyse wird dementsprechend das Korpusmaterial in Form von Zeitungstexten tabellarisch und zahlenmäßig nach Resorts, journalistischen Darstellungsformen (Bericht, Meldung etc.) und thematischen Untersuchungskategorien (Siedlungsgebiete, Persönlichkeiten, deutschsprach. Schulen, kulturelle Ereignisse, Veröffentlichungen, Feste usw.) eingeteilt. Parallel dazu erfolgt die Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich ihrer Bedeutung, dazu gehört z.B. die Einschätzung, dass die Zahlen „zu der Schlussfolgerung [führen], dass sich die ADZ in ihrer Berichterstattung nicht hauptsächlich auf minderheitenspezifische Ereignisse und Zusammenhänge konzentriert, sondern eine breite Palette an Themen behandelt, die dem deutschsprachigen Leser die Möglichkeit gibt, sich darüber vielseitig und komplex zu informieren, was im In- und Ausland passiert und nicht nur über das, was um den Minderheitendiskurs an sich kreist.“ In diesem Sinne wird jede Kategorie des vorgestellten Systems einzeln detailliert ausgewertet und kommentiert. Relativ kurz fällt dagegen der dritte und letzte Unterpunkt zur qualitativen Analyse aus, wobei durch die Annotation der einzelnen Kategorien im vorangegangenen Abschnitt die quantitative Analyse bereits in gewisser Weise eine qualitative Untersuchung beinhaltete. Im letzten Unterpunkt findet daher eine „Tendenzanalyse“ statt, nach der die untersuchten Artikel die deutsche Minderheit in einem neutralen, wertungsfreien oder positiven Licht zeigen, wohingegen negative Perspektiven fehlen.
Im fünften und letzten Abschnitt des Beitrags erfolgt eine Schlussbetrachtung der Ergebnisse, darunter z.B. die Feststellung, dass „der Schwerpunkt auf der Information […] und eher weniger auf [der] Meinungsbildung der Rezipienten“ liegt oder das der „Minderheitenbezug der Zeitung […] nicht dominant [ist]“.

Cotârlea, Delia (2021): Gruppenidentität und Selbstdarstellung in der Kronstädter Wochenschrift Karpatenrundschau (1968-1970). In: Philipp, Hannes/Stangl, Theresa/Weber, Bernadette/Wellner, Johann (Hrsg.): Deutsch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. (Forschungen zur deutschen Sprache in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, FzDiMOS Band 11). Regensburg: Universitätsbibliothek. S. 514-526.

Dieser Aufsatz befasst sich mit Selbstdarstellungspraktiken in der Kronstädter Wochenschrift „Karpatenrundschau“ als ein identitätsstiftendes und handlungsleitendes Periodikum der deutschsprachigen Minderheit im Kommunismus in Rumänien in den Jahren 1968 bis 1970.
Eingeleitet wird der Beitrag unter der Überschrift „Identität – Mythos – Geschichte“ von einer historischen Einordnung der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien in Verbindung mit einer detaillierten Begriffsbestimmung der relevanten Termini wie „kollektive Identität“ und „Selbstdarstellung“; „kollektive Identität“ wird hier als „Gruppengemeinschaft und deren Selbstdarstellung“ aufgefasst und „[b]ei der Untersuchung der Selbstdarstellung werden Geschichte, Brauchtum und Sprache in Betracht gezogen“. Dabei kann bereits die Begriffsbestimmung von „deutsch“ bzw. „rumäniendeutsch“ problematisch sein, „da man historisch von Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Dobrudscha-Deutschen, Zipsern usw. spricht, also von Gruppen, die sich nach ethnischen Kriterien gebildet haben.“ Im Anschluss an diese (sozio-)historische Betrachtung folgt die Vorstellung der untersuchten Zeitschrift unter der Überschrift „Karpatenrundschau – eine (über)regionale Wochenschrift der Werktätigen“ von ihrer Gründung 1968 „als Nachfolgerin der Volkszeitung (1957)“ über ihre Themen wie Politik und Gesellschaft „sowie Aspekte des Minderheitenlebens“, darunter „Kultur, Literatur, Theater und Film, sowie Kunst, Sport und Wissenschaft, aber auch auf Alltagsthemen, wie Haushaltstipps, Mode, Männer- und Frauengewohnheiten“ bis hin zur Zeit der Wende und ihrem Erscheinen ab 1993 als achtseitige Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“.
Der folgende Abschnitt widmet sich ausführlich und detailreich der Untersuchung der „Bewahrung und Stärkung eigener Identität durch Geschichtsschreibung“, so die Überschrift. So wird etwa für den Zeitraum 1968-1970 konstatiert, dass einerseits „über die eigene Geschichte, um die eigene Identität zu bewahren und zu stärken“ berichtet wird, aber andererseits „[…] das politische System den Diskurs durch seine eigene Rhetorik [vereinnahmt]“. Dies geschieht im Blatt etwa durch intensive Verwendung des Terminus „mitwohnende Nationalität“ und durch „ein inszeniertes Miteinanderleben im Kommunismus“, während der Bergriff „rumäniendeutsch“ nicht vorkommt; es komme also zu „Verzerrungen, Verfälschungen und Manipulationen“. Die Betrachtung von Manifestationen einer Identität durch Geschichtsschreibung erfolgt dabei zunächst auf der Grundlage einer Studie des Historikers Lucian Boia sowie anhand einiger konkreter Belege aus dem Material der Zeitung, darunter vor allem ein Artikel, der auf der Basis der Forschungen des siebenbürgisch-sächsischen Humanisten Johannes Honterus eine „Kontinuität des rumänischen Volkes“ unter Einbeziehung der Siebenbürger Sachsen behauptet.
Im Anschluss daran wird in einem kürzeren Abschnitt die „Bewahrung und Stärkung der Identität durch Brauch- und Sprachpflege“ untersucht. Dabei wird festgestellt, dass „[ü]ber den Erhalt der Sprache […] in der KR häufig geschrieben [wird]“ und dass auch „Dialektpflege, Deutsch als Unterrichtssprache bzw. als Studiumangebot [sic]“ zum Angebot gehört, genauso wie die Förderung rumäniendeutscher Literatur.  
Die abschließenden Schlussfolgerungen fassen die Ergebnisse knapp zusammen, indem festgestellt wird, dass sich die Selbstdarstellung der deutschen Minderheit in Rumänien auf zwei Ebenen manifestiert: (1) auf einer historischen Ebene, auf der sowohl „Verfälschungen, Exklusionen“ als auch die Anpassung an einen „politischen Hauptdiskurs der Mehrheit, vom nationalistischen Diskurs vereinnahmt“ sowie „Mythen der Einheit des rumänischen Volkes und des dakischen Plans“ präsent sind; und (2) auf „der Ebene der Volkskunde, des Brauchtums, der Sprachpflege“ , auf der „eine nuanciertere Selbstdarstellung in einem natürlicheren Verhältnis des Neben- und Miteinanders“ stattfindet.

Földes, Csaba (2001): Wo die ‚Boys‘ noch ‚Jungen‘, die ‚Girls‘ noch ‚Mädchen‘ und die ‚Kids‘ noch ‚Kinder‘ heißen. Anmerkungen zur Sprache der Rubrik ‚Jugend‘ in einem Minderheitenblatt. In: Breuer, Ulrich/Korhonen, Jarmo (Hrsg.): Mediensprache - Medienkritik. Frankfurt a.M./Berlin/Bern/ Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang (Finnische Beiträge zur Germanistik; 4). S. 103-120.

Im Beitrag wird der Sprachgebrauch auf den Jugendseiten des zentralen ungarndeutschen Printmediums, der Neuen Zeitung, anhand des Jahrgangs 1998 in seinen Hauptlinien linguistisch beschrieben. Die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung erfolgte induktiv und korpusorientiert und erstreckte sich auf alle Sprachbeschreibungsebenen. Es konnte dabei u.a. eine große Bandbreite von Sprachkontaktphänomenen (z.B. verschiedene Arten von Transferenzen aus dem Ungarischen), Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit Normen und Konventionen der geschriebenen Varietät der deutschen Standardsprache und verschiedenartige Uneinheitlichkeiten hinsichtlich der Textgestaltung dokumentiert und interpretiert werden.

Földes, Csaba (2015): Literalität im Schnittfeld von zwei Sprachen und Kulturen: Beobachtungen anhand der Phraseologie in der Sprache der Lokalpresse. In: Schmidlin, Regula/Behrens, Heike/Bickel, Hans (Hrsg.): Sprachgebrauch und Sprachbewusstsein. Implikationen für die Sprachtheorie. Berlin/Boston: de Gruyter. S. 239-260.

Den Gegenstand der Ausführungen bildet eine spezifische Mehrsprachigkeitskultur am Beispiel des Deutschen als Minderheitensprache in Ungarn: Es handelt sich um die Sprachgestaltung in der Lokalpresse der deutschen Minderheit. Die explorative Studie liefert am Material der Verwendung von Phraseologismen Erkenntnisse über diesen sprachlich-kulturellen Realitätsbereich hinsichtlich seiner grundlegenden typologischen Strukturen und konstitutiven Merkmale.
Es konnten empirische Evidenzen u.a. zur Frequenz und Distribution von figurativen Sprachzeichen in der ungarndeutschen Lokalpresse, zu den Besonderheiten der „ungarndeutschen Kontaktphraseologie“, zur mehrsprachigkeitsgeprägten und z.T. erodierten Sprach- bzw. Text(sorten)kompetenz der Textproduzenten gewonnen werden. Ferner wurden Überlegungen zur Einordnung und Bewertung der kultursalienten Befunde vorgelegt.

Földes, Csaba (2018): Mediensprache im Kontakt der Kulturen: Beispiel „Moskauer Deutsche Zeitung“. In: Földes, Csaba (Hrsg.): Sprach- und Textkulturen – interkulturelle und vergleichende Konzepte. Tübingen: Narr Francke Attempto (Beiträge zur Interkulturellen Germanistik; 11). S. 43-77.

Gegenstand des Aufsatzes ist eine spezifische deutschbasierte Textkultur im Spannungsfeld zweier Sprachen und Kulturen: Die „Moskauer Deutsche Zeitung“ wird – am Material ihres Jahrgangs 2017 – im Hinblick auf bestimmte kommunikative und sprachliche Besonderheiten empirisch untersucht, um damit zur Erschließung des linguistischen Profils dieses wichtigen auslandsdeutschen Mediums beizutragen. Die phänomenorientierte empirische Analyse hat die MDZ als „kulturasymmetrische Grenzgänger-Zeitung“ ausgewiesen und festgestellt, dass die erschlossenen Salienz-Fälle Ergebnisse dreier typologisch verschiedener Prozesse sind: (1) Kontaktphänomene, also Transfer oder Nachahmung von Elementen, Strukturen und Modellen der Kontaktsprache; (2) Verfremdungsprozesse, z.B. Kontrastverschiebungen oder Kontrastübertreibung, die sich aus einer unsicheren Beherrschung der Zielsprache Deutsch, etwa durch Übergeneralisierung des Sprachsystems, ergeben und (3) Normverletzungen aus Unachtsamkeit, d.h. Flüchtigkeitsfehler, die selbst bei Textproduzenten mit exzellenter Sprachbeherrschung vorkommen. Ein wesentlicher Teil der eruierten Auffälligkeiten ist direkt oder indirekt auf Aspekte der bilingualitätsbedingten deutsch-russischen Sprach- und Kulturkontakte zurückführbar. Die sprachlich-kulturelle Grundkonstellation ist jedoch noch komplexer: Aufgrund der Befundlage liegt das genuine Alleinstellungsmerkmal der MDZ in einem spezifischen Beziehungsgefüge von deutscher Sprache vs. russischer Kultur. In summa konnte die Analyse dem medialen Objekt MDZ eine weitgehend inter- bzw. eher transkulturelle Textwelt bescheinigen.

Földes, Csaba (2018): Politische Sprache und Interkulturalität – am Beispiel der Presse deutscher Minderheiten. In: Fábián, Annamária/Trost, Igor (Hrsg.): Sprachgebrauch in der Politik. Grammatische, lexikalische, pragmatische, kulturelle und dialektologische Perspektiven. Berlin/Boston: De Gruyter (Reihe Germanistische Linguistik; 319). S. 299-317.

Dieser Aufsatz exponiert einen bisher weniger beachteten Phänomenbereich, nämlich die Produktion von Pressetexten im Kommunikationsbereich politische Sprache im Schnittfeld von zwei Sprachen und Kulturen. Im Mittelpunkt der empirischen Betrachtung steht die spezifische Kultur von Mehrsprachigkeit bei der deutschen Minderheit in Ungarn. In diesem Denk- bzw. Argumentationsrahmen zielt der Beitrag auf eine evidenzbasierte Herausarbeitung von Charaktermerkmalen der politischen Sprache und Kommunikation im Wirkungsraum der deutschsprachigen Minderheitenpresse. Ferner geht es um journalistische Handlungsmöglichkeiten und -formen unter besonderen Bedingungen von Mehrsprachigkeit und Inter- bzw. Transkulturalität.
Dabei ist deutlich geworden, dass die analysierten Presseprodukte durch die spezifische Sprach- und Text(sorten)kompetenz der mehrsprachigen Textproduzenten geprägt sind: In ihrem Varietätenrepertoire macht sich ein Zusammenspiel von standard- und substandarddeutschen Charakteristika, aber auch von ungarischen Textroutinen und Musterhaftigkeiten bemerkbar. Die Analyse hat u.a. zahlreiche und vielgestaltige Manifestationen von deutsch-ungarischen Sprachkontakten, Uneinheitlichkeiten in stilistisch-pragmatischer Hinsicht und/oder in der Satz- und Textkonstruktion sowie eine spezifische Themenfrequenz und ein besonderes Beziehungsgefüge von Mündlichkeit vs. Schriftlichkeit aufgedeckt.

Földes, Csaba (2018): Xenismen in der auslandsdeutschen Pressesprache. Reflexionen anhand der Moskauer Deutschen Zeitung. In: Meier, Jörg (Hrsg.): Jahrbuch des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Band 26: Sprache. München: De Gruyter Oldenbourg. S. 121-144.

Dieser Aufsatz nimmt beispielhaft ein traditionsreiches und gewichtiges auslandsdeutsches Blatt, den Jahrgang 2017 der „Moskauer Deutsche Zeitung“ (MDZ), in den Blick und versucht, mit einer datensensitiven Aufdeckung von signifikanten Merkmalen die sprachlich-kommunikative Profilgrundlage dieses Mediums herauszuarbeiten. Aus Umfangsgründen fokussiert er dabei exemplarisch auf einen Aspekt, nämlich auf die sogenannten – sprachbezogenen und kulturbezogenen – Xenismen, da sie wohl einen zentralen Wesenszug dieses Pressediskurses darstellen. Die durchgeführte empirische Studie leistet zur Erschließung der kulturellen Komponente vorrangig im Vokabular und weiterführend auch zur Erfassung von Phänomenen der Kulturalitat in der analysierten Zeitungskommunikation einen Beitrag.
Die analytische Sichtung der MDZ, indem von Merkmalen manifester Texte auf Merkmale eines nicht-manifesten Kontextes geschlossen wurde (es gingt ja ein Stuck weit um Inferenzschlusse auf die soziale Wirklichkeit), ergab, dass es sich im Rahmen einer Zweischriftlichkeit im Wesentlichen um eine Art interkultureller Texte handelt. In einem Spagat besonderer Art ist die Sprache eindeutig deutsch, während das kulturelle Milieu mit den entsprechenden Kulturmustern russisch geprägt ist – die MDZ ist also gewissermaßen ein Grenzgänger-Blatt. Diese Ausprägung der Pressekommunikation konnte als eine Manifestation des (interkulturellen) Interdiskurses aufgefasst werden; entsteht doch das Blatt in einem spezifischen – mehrsprachigen und interkulturellen – Referenzrahmen und wird zu einem großen Teil von bilingualen Textproduzenten erstellt.

Földes, Csaba (2019): Die ‚Deutsche Allgemeine Zeitung‘: Anmerkungen zur Sprache der kasachstandeutschen Presse. In: Linguistica (Ljubljana) 59. 1. S. 71-97.

Die Studie arbeitet zentrale sprachliche Profilmerkmale der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ) in Kasachstan heraus und liefert dabei auch einen Beitrag zur Erschließung von Manifestationen der Kulturalität im analysierten interkulturellen Mediendiskurs. Der verwendete Ansatz ist – im Denkrahmen der interkulturellen Linguistik – deskriptiv und vorrangig variations- bzw. kontaktorientiert. Die Besonderheit der Zeitung besteht vor allem darin, dass ihre Sprache praktisch monolingual deutsch ist, während ihr kulturelles Umfeld eine kasachisch-russische Prägung aufweist. Die daraus resultierende konkrete Sprachverwendung in der DAZ wurde unter Nutzung des Salienz-Konzeptes betrachtet. Im ausgewerteten Korpus des Jahrgangs 2017 wurden sprachbezogene Salienzen auf nahezu allen Ebenen herausgearbeitet, allen voran in Lexik und Phraseologie, Grammatik, Stil, Grafie sowie Typografie. Die eruierten Verwendungsbesonderheiten resultieren aus drei Prozessen typologisch unterschiedlicher Art: (1) aus prototypischen Sprachkontaktmechanismen, also aus Transfers oder Nachahmungen von Elementen, Strukturen und Modellen der Kontaktsprachen Russisch und Kasachisch; (2) aus Verfremdungsprozessen, z.B. Kontrastverschiebungen oder -übertreibungen, die sich aus einer unsicheren Beherrschung der Zielsprache Deutsch, etwa durch Übergeneralisierung des Sprachsystems, ergeben; (3) aus Normverletzungen aufgrund von Unachtsamkeit, d.h. Flüchtigkeitsfehler bzw. problematische oder grenzwertige Formulierungen, die selbst bei Textproduzenten mit exzellenter (nativer) Sprachbeherrschung vorkommen. Der Beitrag weist nach, dass quantitativ die mehrsprachigkeits-, kontakt- und/oder kompetenzbedingten Auffälligkeiten überwiegen, wobei sich der sprachliche Kontakteinfluss des Russischen als größer erwies als der des Kasachischen. Auf dieser Basis erfasst und beschreibt der Beitrag die DAZ als eine mehrfach kulturasymmetrische Grenzgänger-Zeitung mit einer spezifischen Form von Mehrschriftlichkeit.

Földes, Csaba (2020): Figuratives in der auslandsdeutschen Pressesprache. In: Kalbotyra (Vilnius) Nr. 73. S. 31-60.

Diesem Aufsatz liegt die Einsicht zugrunde, dass figurative Sprachzeichen in der Mediensprache zwar allgemein ein frequentes Forschungsthema sind, aber speziell im Hinblick auf die deutsche Pressesprache im Ausland ein Desiderat darstellen. Vor diesem Hintergrund werden mit Überblickscharakter einige speziell figurativitäts- und formelhaftigkeitsbezogene Beobachtungen sowie Ergebnisse eines rezenten Forschungsprojekts thematisiert und diskutiert. Primäres Ziel war eine fokussierte evidenzbasierte Erschließung – genauer: eine theoriebasierte qualitative Exploration – von Besonderheiten des figurativen Sprachgebrauchs in drei deutschsprachigen Minderheitenzeitungen aus Russland, Kasachstan und Ungarn. Zudem werden Manifestationen von Kulturalität im analysierten durch Mehrsprachigkeit und Inter- bzw. Transkulturalität geprägten Mediendiskurs erschlossen. Dabei ist der Ansatz nicht normativ-fehleranalytisch, sondern deskriptiv und vorrangig kontakt- bzw. interkulturalitätsorientiert.
Es konnte u.a. festgestellt werden, dass die empirische Datengrundlage relativ wenig Figuratives hergab. Zu den Befunden gehört, dass aufgrund der Mehrsprachigkeitssettings andere textuelle Mechanismen vorherrschen und die Textproduzenten vorgeprägte syntaktische Schemata aus den Kontaktsprachen übernehmen. Produzentenseitig wird zwar in der Regel eine deutschbasierte figurative Sprache verwendet, die aber mit der Figurativität der jeweiligen Kontaktsprache (im vorliegenden Fall: Russisch, Kasachisch und Ungarisch) kongruiert, einschließlich russisch/kasachisch/ungarisch orientierter Framings. Das dominante Merkmal konstituieren in diesem Rahmen (vorrangig latente, aber auch virulente) sprachkontaktbedingte Erscheinungen mit einiger Dynamik: vorrangig Transferenz-Bildungen verschiedener Art. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass die Sprach- bzw. Text(sorten)kompetenz und besonders die figurative Kompetenz der Textproduzenten im Bereich der konzeptual-schriftlichen Fähigkeiten sehr unterschiedlich, oft nicht mit denen bundesdeutscher Journalisten vergleichbar sind.

Kappel, Péter/Tichy, Ellen (2010): Minderheiten und Minderheitenmedien in Ungarn. In: Tichy, Ellen (Hrsg.): Minderheiten und Medien. Die Repräsentanz der ungarndeutschen Minderheit in den Medien. Hamburg: Verlag Dr. Kovač. (Schriften zur Medienwissenschaft; 26). S. 14-26.

Dieser Aufsatz bietet einen detailreichen Überblick über Minderheiten und Minderheitenmedien in Ungarn unter besonderer Berücksichtigung der Situation der Ungarndeutschen. Dabei wird unter anderem auf die Minderheitenpolitik Ungarns, demographische Daten über Minderheiten und deren rechtliche Situation eingegangen.
Einer kurzen Einleitung zur inhaltlichen Übersicht folgt der zweite Abschnitt zu den Minderheiten in Ungarn. Hier werden zunächst historische Gegebenheiten wie etwa „planmäßige Ansiedelungen im 17.-18. Jahrhundert“ erwähnt. Anschließend wird die demographische und rechtliche Situation (etwa durch Minderheitengesetz und Anerkennung) näher erläutert. Zu den genannten Minderheiten gehören u.a. Roma, Deutsche, Slowaken, Rumänen, Serben, Polen etc.; die zugehörigen Daten werden an Hand einer Tabelle veranschaulicht. Wiedergegeben werden außerdem einige Fragen, die Bestandteil einer Volkszählung im Jahr 2001 waren, wie zum Beispiel: „Welche Sprache benutzen Sie im Familien- und Freundeskreis im Allgemeinen?“ Der dritte Abschnitt beschreibt die staatliche Minderheitenpolitik Ungarns; zitiert wird dabei u.a. auch aus dem Minderheitengesetz von 1993. Weitere minderheitenpolitische Aspekte sind spezielle Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen und Sprachunterricht.
Der vierte Abschnitt zu den Minderheitenmedien wird durch ein Zitat aus dem sogenannten „Mediengesetz zum Schutz der Minderheiten in Ungarn“ eröffnet. Dem folgt eine kurze Betrachtung zum Verhältnis von Minderheitenmedien und Identität. Im Anschluss werden die ungarndeutsche Fernsehsendung „Unser Bildschirm“, ein deutschsprachiges Radioprogramm und die „Neue Zeitung“ als „das Wochenblatt der Ungarndeutschen“ beschrieben; ebenfalls wird die Existenz weiterer Angebote im Internet erwähnt. Diese Minderheitenmedien werden jedoch nicht eingehender untersucht, auch nicht im Hinblick auf sprachliche Besonderheiten.
In einem Fazit werden noch einmal einige Aussagen des Aufsatzes zusammengefasst. Abschließend wird für die Minderheitenmedien eine Brückenfunktion zum „Herkunftsland Deutschland“ festgestellt, denn „sie stabilisieren kommunikative Beziehungen der Ungarndeutschen untereinander und unterstützen die Pflege der deutschen Sprache und Kultur.“

Tichy, Ellen (2010): Die Bedeutung der Minderheitenmedien für junge Ungarndeutsche – Ergebnisse einer Befragung. In: Tichy, Ellen (Hrsg.): Minderheiten und Medien. Die Repräsentanz der ungarndeutschen Minderheit in den Medien. Hamburg: Verlag Dr. Kovač. (Schriften zur Medienwissenschaft; 26). S. 191-205.

Dieser Aufsatz analysiert die Nutzung von Minderheitenmedien durch junge Ungarndeutsche und zieht Schlüsse zu ihrer Bedeutung. Die analysierten Daten entstammen einer eigens durchgeführten Umfrage mittels Fragebogen unter 30 Ungarndeutschen im Alter von 19 bis 29 Jahren.
Der Text ist in mehrere Abschnitte untergliedert: einer Einleitung mit Erläuterungen zum Untersuchungsgegenstand und einer Auflistung der Inhalte des Fragebogens folgt ein kurzer Abschnitt zu den demographischen Daten Alter und Nationalität. Der folgende Abschnitt gibt die allgemeine Nutzung der Medien wieder; dabei wurde unterschieden in Fernsehen, Radio, Zeitung und Internet sowie in tägliche bis gar keine Nutzung. Der darauffolgende Abschnitt bezieht sich noch einmal auf die Mediennutzung speziell in deutscher Sprache. Anschließend werden die Umfrageergebnisse hinsichtlich der Nutzung ungarndeutscher Minderheitenmedien wiedergegeben, darunter z.B. die „Neue Zeitung“, die Fernsehsendung „Unser Bildschirm“, das deutschsprachige Radioprogramm im Sender MR4 oder Ungarndeutsche Internetportale. Die beiden folgenden Abschnitte gehen näher auf die Nutzung einzelner Zeitungen sowie „Internetnetzwerke und Portale“ ein. Schließlich unternimmt der Abschnitt „Minderheitenmedien und die Tradierung ungarndeutscher Identität“ die Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich ihrer Bedeutung für eine „ungarndeutsche Identität“. Dabei werden auch einige längere Antworten der Probanden zitiert. Den Abschluss bilden „Ideen und Vorschläge“ und ein kurzes Fazit.
Die Ausführungen werden begleitet von mehreren Tabellen und Balkendiagrammen zur Veranschaulichung der Daten. Teilweise sind diese Daten jedoch nur den Grafiken zu entnehmen und werden im Text oftmals nicht wiedergegeben oder nicht näher analysiert. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung am Material der Minderheitenmedien findet jedoch nicht statt.

Tichy, Ellen (2012): Medien der autochtonen Minderheiten in Ungarn und Deutschland. Ein Vergleich auf der Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen. In: Szendi, Zoltán (Hrsg.): Wechselwirkungen II: Deutschsprachige Literatur und Kultur im regionalen und internationalen Kontext. Beiträge der internationalen Konferenz des Germanistischen Instituts der Universität Pécs vom 9. bis 11. September 2010. Wien: Praesens Verlag. (Pécser Studien zur Germanistik; 6). S. 355-373.

Der Aufsatz befasst sich vornehmlich mit der Frage nach der Medienpräsenz von Minderheiten in Ungarn und Deutschland auf Basis der Europäischen Charta. Dabei ist die Beschreibung der aktuellen Situation von Minderheiten in Ungarn, ihrer Anzahl und ihres rechtlichen Status, sehr detailliert. Bei der überblickshaften Betrachtung einiger Minderheitenmedien in Ungarn findet auch die „Neue Zeitung“ und ihr Ziel der „Pflege von Sprache und Kultur der Ungarndeutschen“ Erwähnung.
In einzelnen kurzen Abschnitten wird auf Minderheiten in Deutschland wie die dänische, die sorbische und die friesische Minderheit sowie die der Roma und Sinti eingegangen. Im Falle der beiden letzteren wird nur sehr knapp auf sprachliche Aspekte Bezug genommen; eine tiefergehende Untersuchung zur Sprache der Minderheiten oder der Sprache der jeweiligen Minderheitenmedien findet jedoch nicht statt. Sämtliche Ausführungen zur Sprache betreffen eher ihre Situation, zum Beispiel was ihre Einordnung als Minderheitensprache ausmacht, den rechtlichen Status gegenüber der Amtssprache oder ähnliches. Den einzelnen Abschnitten zu den Minderheiten in Deutschland folgen danach kurze Abschnitte zu deren Minderheitenmedien, in denen die einzelnen Angebote in Print, Rundfunk und Fernsehen beschrieben werden.

Urbán, Péter (2012): Bratislavaer Deutsche oder deutschsprachige Bratislavaer? Theoretische Erwägungen zur Frage der kollektiven Identifikation der deutschsprachigen Einwohner Bratislavas nach 1918. In: Gáborová, Margita (Hrsg.): Na zlome času. Im Wandel der Zeit. Modernistické (antimodernistické) tendencie v multikultúrnej Bratislave v medzivojnovom období. Bratislava: Universzita Komenského. S. 86-109.

Dieser Aufsatz examiniert die Eignung dreier theoretischer Konzepte für die Untersuchung der kollektiven Identifikation der deutschsprachigen Einwohner Bratislavas nach 1918 anhand der zeitgenössischen Presse. Dies sind laut der einleitenden Worte des Beitrags (1) die Methoden der Kulturtransferforschung, (2) die „Auffassung von den Phänomenen Nation, Rasse und Ethnizität“ nach Roger Brubaker und (3) „die Frage, warum die historische Presse als Quelle für die vorgenommene Forschung geeignet ist“.
Der erste Abschnitt bietet einen kurzen Überblick über „Die historische Bedeutung des Jahres 1918“ mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie. Daneben werden die Forschungsfragen genannt, denen in den folgenden Abschnitten nachgegangen werden soll, wie z.B. die Frage, was der politische Wechsel für die deutschsprachige Bevölkerung der multiethnischen Stadt Pressburg/Bratislava bedeutete.
Der folgende Abschnitt unter der Überschrift „Der Beginn der Nationalbewegungen“ liefert eine kurze Erläuterung der Beziehung der deutschsprachigen Bevölkerung zum Königreich Ungarn gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die von „einer starken, bewussten und freiwilligen Hingabe und Loyalität gekennzeichnet [war]“ sowie ihres „von Gelehrten und Intellektuellen geprägten und getragenen kollektiven Selbstbildes“. Als fünf entscheidende Faktoren der kollektiven Selbstidentifikation nach Jozef Tancer und Elena Mannová werden genannt: (1) „Die konfessionelle Zugehörigkeit zum dem auf den Prinzipien der deutschen Aufklärung und des deutschen Pietismus basierenden Protestantismus“, (2) „intensive wissenschaftliche, wirtschaftliche, private und akademische Kontakte mit dem deutschsprachigen Raum“, (3) „die Zugehörigkeit zum Königreich Ungarn“, (4) „weitgehende Integration in das ungarische politische, gesellschaftliche und Kulturmilieu in Form von Lokalpatriotismus und Multilingualismus“, (5) „hoher Identifitierungsgrad [sic] mit den staatsrechtlichen und bürgerlichen Prinzipien und Abneigung gegen die ethno-nationalistische Profilierung.“
Im Anschluss daran zeichnet der dritte Abschnitt unter der Überschrift „Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts“ die historischen und sozio-kulturellen Entwicklungen im Laufe des 19. Jh. nach, die schließlich mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie, der Trennung ihrer Heimatstadt von Ungarn und der Eingliederung in die Tschechoslowakei „[…] für die deutschsprachigen Pressburger vielmehr den Verlust eines grundlegenden Faktors ihres kollektiven Selbstbildes und Bewusstseins [bedeutete].“
Der umfangreichere und detailreiche vierte Abschnitt stellt die Frage „Deutsche oder deutschsprachige Einwohner?“, so die Überschrift. Gleich zu Beginn wird erklärt, dass der Terminus „Deutsche“ ungeeignet und die Bezeichnung „deutschsprachige Einwohner“ besser geeignet ist. Als Gründe werden unter anderem angeführt, dass die Bezeichnung „Deutsche“ eine „privilegierte und konstitutive Verbundenheit mit Deutschland unterstellt“, dass sie außerdem zur Zeit der Entstehung der modernen Nationen im 19. Jh., als eine „ethnische Identifikation die Schlüsselrolle beim kollektiven Selbstbild der Völkergruppen übernahm“, sie „längst etablierter Bestandteil der ungarischen Gesellschaft“ waren und dass sie sich selbst bezeichnen als „‚Deutschungarn‘, also auf Deutsch redende Ungarn und nicht als ‚Ungarndeutsche‘, in Ungarn lebende Deutsche“. Darüber hinaus werden methodologische Gründe angeführt wie z.B. der, dass die Bezeichnung der deutsch-, ungarisch- und slowakischsprachigen Bevölkerung als Deutsche, Ungarn und Slowaken den Eindruck erwecken kann, „als ob es um feste, abgegrenzte, nebeneinander lebende Gruppen ginge, die ihre eigenen charakteristischen Merkmale und die Grenzen ihres ‚Wesens‘ längst definiert hätten“. In diesem Zusammenhang wird hervorgehoben, dass „Selbstbestimmung und Selbstidentifizierung […] nie ein einmaliger Akt [sind], der linear zu einem Ziel hin verläuft, sondern sie sind ein steter, dynamischer, elastischer und vor allem ein unabschließbarer Prozess, der permanent stattfindet.“ Dementsprechend wird auch die deutschsprachige Bevölkerung als „eine flexible und variable Gruppe“ verstanden.
Es folgt der fünfte Abschnitt unter der Überschrift „Der kulturelle Austausch im Fokus“. Hier finden sich detaillierte Erläuterungen zur Kulturtransferforschung, bei der es um „die Ermittlung und Rekonstruktion interkultureller Austauschprozesse zwischen zwei oder mehreren Kulturen“ handelt, und die auf den avisierten Gegenstand angewendet werden soll. Der Fokus liegt dabei auf drei Schwerpunkten, die nach Hans-Jürgen Lüsebrink zitiert werden: (1) „Selektion der Artefakte (wie Texte, Diskurse, Medien, Praktiken), die zwischen den kulturellen Systemen übertragen und vermittelt werden“, (2) „Vermittlungsinstanzen, durch die diese Übertragung erfolgte“ und (3) „Aneignung und Rezeption der transportierten Kulturgüter“. Besondere Interesse gilt dabei dem Transformationsprozess und somit der Frage, „wie sich im Verlauf des Transports infolge der Adaption die vermittelten Kulturgüter umwandeln und umgekehrt: Auf welche Art und Weise die akkulturierten Artefakte die Zielkultur verändern“.
Der sechste Abschnitt widmet sich der Beantwortung der in der Überschrift gestellten Frage „Warum die Presse?“, die eingangs noch präzisiert wird, nämlich „inwiefern die historische Presse als Quelle für die dargestellte Forschung geeignet ist“ und „[w]arum […] sich eine wissenschaftliche Analyse der deutschsprachigen Bevölkerung im Bratislava der Zwischenkriegszeit anhand der zeitgenössischen Presse durchführen [lässt]“. So war die Presse in den Nachkriegsjahren nicht nur das dominanteste, sondern teilweise auch das einzige öffentliche Kommunikationsmittel und die verbreitetsten Pressegattungen Zeitungen und Zeitschriften die führenden Medien der Massenkommunikation. Zu beachten ist jedoch, dass „die medial vermittelte Realität bereits eine (re)konstruierte Wirklichkeit ist und die Arbeit mit der historischen Presse einer wachsamen Quellenkritik bedarf.“ Daneben ist die Presse als einer der wichtigsten Vermittlungswege im Prozess des kulturellen Transfers anzusehen.
Im Anschluss daran bietet der nächste Abschnitt einen kurzen historischen „Einblick in die Geschichte des deutschsprachigen Pressewesens in Bratislava bis 1918“. So waren unter den ersten vier im Königreich Ungarn herausgegebenen Zeitungen zwei deutschsprachige und die 1764 gegründete „Pressburger Zeitung“ gab bis 1929 ganze 165 Jahrgänge heraus.
Der letzte Teil des Artikels beschreibt überblickshaft „[d]ie deutschsprachige Presse Bratislavas nach 1918“. Hier gab es nach dem „Zerfall der Monarchie“ kaum Einbußen; stattdessen kam es zu zahlreichen Neugründungen von deutschsprachigen Zeitungen wie z.B. die „Pressburger Zeitung“, die „Pressburger Presse“, das „Pressburger Tagblatt“, der „Westungarische Grenzbote“ und die „Westungarische Volksstimme“ sowie die deutschsprachige Zeitschrift „Donau Post“. Manche der zahlreichen Neugründungen erwiesen sich jedoch nicht als sehr langlebig und wurden nach einigen wenigen Jahren oder nach nur wenigen Ausgaben wieder eingestellt.
Das abschließende Fazit fasst noch einmal die Kernpunkte des Aufsatzes zusammen: So bedeutete die Absonderung von dem als Heimat empfundenen Ungarn einen Verlust für das kollektive Selbstbild der deutschsprachigen Bevölkerung Bratislavas und den Beginn der „Suche nach neuen Bezugspunkten des Selbstbildes und der Selbstidentifikation“ nach 1918. Erneut wird auch die Eignung der drei verschiedenen theoretischen Konzepte für die Untersuchung des Selbstbildes der deutschsprachigen Einwohner nach unterschiedlichen Gesichtspunkten sowie die sich für weitere Forschungen anbietende Prüfung der Tauglichkeit der historischen Presse als Quelle der Analyse betont.